Über die Aufklärung in der gynäkologischen Praxis hinaus besteht für alle Frauen und ihre Partner die Möglichkeit, sich in einer Beratungsstelle umfassend über die vorgeburtliche Diagnostik zu informieren. Das kann dazu beitragen, die eigene Haltung gegenüber dieser Technik zu klären. Weiterführende Fragen oder mögliche Konflikte, die sich aus dem Angebot von pränataler Diagnostik ergeben, können hier reflektiert werden. Dazu können Fragen nach Auswirkungen auf das Schwangerschaftserleben oder nach einem Schwangerschaftsabbruch gehören. Auch wenn bereits eine vorgeburtliche Untersuchung durchgeführt wurde und Fragen oder Ängste auftauchen, kann es entlastend und hilfreich sein, sich an eine Beratungsstelle zu wenden.
Psychosoziale Beratung vor, während und nach pränataler Diagnostik bieten unabhängige Beratungsstellen und Initiativen, Frauenprojekte, Frauengesundheitszentren, sowie Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen an. Im Rahmen von Hebammenhilfe können Frauen eine Schwangerenberatung in Anspruch nehmen. Bei Fragen nach möglichen vererbbaren Erkrankungen in der eigenen Familie kann eine Beratung in einem humangenetischen Institut helfen, diese zu klären.
Beratung und Aufklärung geraten zunehmend in den Mittelpunkt der Argumentationen um die mit Gentechnik und Fortpflanzungsmedizin verbundene Problematik. Alle beteiligten Gruppen fordern ein individuelles Beratungsangebot. Auch von den BefürworterInnen der PID wird diese mit dem Argument legitimiert, über eine informierte Einzelentscheidung nach Beratung sei ein Missbrauch zu verhindern. Von vielen KollegInnen wird jedoch darauf hingewiesen, dass Beratung nicht dazu funktionalisiert werden darf, den reibungslosen Ablauf der vorgeburtlichen Untersuchungen und Tests sicher zu stellen und die damit einhergehenden Widersprüche lediglich zu entschärfen.